In der BG PAT treffen wir uns in der Regel vierzehntäglich zu ausgewählten politischen und gesellschaftlichen Themen. Ein spezielles Vorwissen ist nicht nötig, alle sind herzlich willkommen.

Wann
jeden zweiten Dienstag, jeweils um 19.30 Uhr
Wo
Sekretariat der Partei der Arbeit Zürich, Rotwandstrasse 65, 8004 Zürich

Niederlage und Zukunft

Hans Heinz Holz stellte zu Beginn dieses Kapitels (Philosophisch-politische Perspektiven des Marxismus heute) die Frage, ob der wissenschaftliche Sozialismus noch aktuell sei. Er zeigte auf, weshalb es notwendig ist sich mit dem Marxismus auch weiterhin, nach dem Umsturz in vielen sozialistischen Ländern, auseinander zu setzen. Besonders die fünf Punkte, die den Marxismus ausmachen, beschreibt Holz sehr gut und präzise. Hier noch eine Aufzählung dieser Punkte:

  1. Der Marxismus ist — als historischer Materialismus — ein rationales Erklärungsmodellgeschichtlicher Prozesse.
  2. Marxismus ist — als universelle Dialektik der Natur oder als dialektischer Materialismus – ein Konstruktionsprinzip des Gesamtzusammenhangs.
  3. Der Marxismus entwirft — als wissenschaftlicher Sozialismus — den Grundriß einer humanen Gesellschaftsordnung.
  4. Der Marxismus bringt — als wissenschaftliche Philosophie —die Probleme seiner Zeit auf den Begriff.
  5. Der Marxismus stellt — als politische Handlungsanleitung — die Einheit von Theorie und Praxis her.

Wir diskutierten dann über die Existemz von absoluten Wahrheiten? Ein Genosse stellte dazu die Frage: “Was sind absolute Wahrheiten? In der Philosophie und Wissenschaft gibt es absolute Wahrheiten in 40 Jahren später wieder als volkommen überholt ansehen.” Anderseits existieren doch absolute Wahrheiten, wie das das Wasser ins Glas auf dem Tisch flissen wird und nicht nach oben. Auch wenn es philosophisch betrachtet eine Möglichkeit wäre. Trotzdem wird es nicht nach oben fliessen, denn das lehrt uns unsere Erfahrung.

Danach setzten wir unsere Diskussion fort und setzten uns mit der Hegemonie auseinander. Also dem vorherrschenden Denken und den typischen Denkmustern auseinander. Also dem was in einer Gesellschaft als normal gilt. Zur Hegemonie in unserer Gesellschaft: Es wird als normal betrachtet und nicht kritisch reflektiert, das Jemand alleine im Besitz der ganzen Mittel ist, die zur Produktion nötig sind (Boden, Kapital, Maschinen usw.) und damit alleine bestimmen kann. Wenn dann aber gefordert wird, dass dies allen gehören müsse, der wird als bösartige Gefahr dargestellt. Und es funktioniert. Hier zeigt sich die Hegemonie der Kapitalisten. Oder auch in Abstimmungen, wenn die Bevölkerung gegen ihre eigenen Interessen stimmt. Aus Angst naürlich. Das ist etwas bei der Abstimmung über fünf Wochen Ferien passiert. Die Behauptung das Arbeitsplätze verloren gehen würden, sind Haupthammer der Unternehmer um ihre Interessen durchzusetzen. Durch die Hegemonie setzt die kapitalistische Klasse ihre Interesse durch, auch wenn des direktdemokratische Mittel gibt, die von den Arbeitenden genutzt werden könnten. Aber das Klassenbewusstsein in der Arbeiterschaft ist sehr schwach und somit fehlt die Orientierung.

Später sprach wir über das ökonomische Scheitern der sozialistischen Staaten. Ein Genosse brachte ein, was ein Autor aus der DDR einst zu ihm sagte: “Mitte der 60er Jahre wäre man bereit gewesen, wir haben es verpasst. Wir hätten nicht mitmachen sollen. Wir hätten uns auf die Kultur und Bildung konzentrieren sollen, statt beim Wettrüsten mitzumachen”. Wir haben diesen Punkt besprochen und auch welche Notwendigkeiten und Möglichkeiten es zur Verteidigung der Revolution gegeben hat oder hätte.

In diesem Zusammenhang sprachen wir dann noch über den Sozialismus als Übergangsphase zum Kommunismus. Doch diese Phase musste aufrechterhalten werden, solange der Kapitalismus noch existiert. Denn solange es Klassen gibt, kann keine klassenlose Gesellschaft eingeführt werden. Holz bezeichnete es als einen Theoriefehler, das die Reserven des Kapitalismus so stark unterschätzt wurden. Leider ging er nicht wirklich genau auf diesen Fehler und die Gründe für diese Unterschätzung ein. Das haben wir an diesem Abschnitt kritisiert. Doch es ist ganz offensichtlich, dass die Erwartungen völlig anders waren. Statt einer Umbruchperiode zum Kommunismus hin, wurde daraus eine 70 Jahre andauernde Phase, die mit einer schweren Niederlage für die kommunistische Bewegung und dem Umsturz vieler sozialistischer Staaten endete.

Hans Heinz Holz hierzu: “Theoretisch drückte sich diese Diskrepanz in der illusionistischen Einschätzung aus, die Arbeiterklasse mit sozialistischem Bewusstsein habe bereits die gesellschaftliche Hegemonie errungen. Im vermeintlichen Besitz dieser Hegemonie und damit in der Annahme der Übereinstimmung mit den Massen wurden dann die richtigen Grundlagen der eigenen Theorie nicht mehr in argumentativen Auseinandersetzungen vertreten und weiterentwickelt, sondern wie ein allgemein akzeptiertes Kulturgut nur noch verkündet.” Der Kampf um die Hegemonie ist ein wichtiger Teil der Revolution und endet nicht mit der Machtergreifung. Er muss beständig geführt werden.
Später beschreibt Holz dann die Hegemonie genauer: “Die Dominanz einer herrschenden Klasse besteht darin, dass sie wesentliche Züge ihrer Weltanschauung auch den Beherrschten, Ausgebeuteten konsensfähig zu machen vermag, so dass sie dann der Repression durch äussere Gewalt nur in eingeschränktem Masse bedarf. Weltanschauliche oder kulturelle Hegemonie einer Ausbeuterklasse besagt, dass sie die inneren Widersprüche und Unterdrückungsmechanismen der gesellschaftlichen Ordnung für die Ausgebeuteten im Rahmen eines weltanschaulichen Integrationsmodells akzeptabel macht oder verschleiert. Das heisst: Hegemonie einer Klasse bedeutet die Durchsetzung ihres Weltanschauungstyps (zum Beispiel die polis-bezogene griechische Mythologie, das Ethos der römischen res publica, die christliche Religion der mittelalterlichen Feudalgesellschaft, die Ideen der Französischen Revolution).”
Somit kann Kritik kann nur innerhalb dieses Musters gebracht werden, wer sie verlässt und das gesamte System in Frage stellt wird angegriffen. Weiter erklärte er: “Die sozialistischen Gesellschaften waren auf ein anderes Bedürfnissystem angelegt, ohne sich jedoch der Verlockung, die der Schein des Reichtums für Jeden in der Form des Warenangebots darstellte, entziehen zu können.” Das Bild, das durch die kapitalistische Hegemonie erzeugt wird, wirkte auch auf die im Sozialismus lebenden Menschen. Mit der Niederlage im ökonomischen Wettkampf wurde ebenfalls der Kampf um die Hegemonie verloren. Das brutale Vorgehen gegen die sozialistischen Institutionen, nach dem Umsturz, zeigt ebenfalls wie gross der Klassenhass der Kapitalisten auf die Arbeiterbewegung ist: Die Ökonomie wurde zerschlagen und verscherbelt, die Kultur wurde zerstört, alles wurde und wird unterdrückt und es soll vergessen werden, was die sozialistischen Staaten an Errungenschaften erreicht haben.

Beim nächsten Treffen der BG PAT werden wir die Diskussion über das Buch abschliessen und die Seiten 88 bis 115 besprechen. Danach setzen wir uns mit den Grundlagen des Marxismus-Leninismus auseinander und werden verschiedene Dokumente zu den einzelnen Themen (Was ist ein Staat?, historischer & dialektischer Materialismus, Imperialismus, Feminismus…) erarbeiten, um daraus ein Einführungsdossier erstellen zu können. Macht euch bis zum nächsten Treffen Gedanken zu diesen Themen und bringt Vorschläge mit, damit wir dann einen Ablauf festlegen können.